Castor stoppen – Atomkraft stoppen! Protest gegen die schwarz-gelbe Energiepolitik!

Veröffentlicht am 08.11.2010 in Energie und Umwelt

SPD-Stadträtin aus Ludwigshafen Eleonore Hefner berichtet von der „Südblockade“:

Von wegen Krawalle. Als am 6.11.2010 kurz nach 14.00 Uhr eine Kolonne von Polizei-Mannschaftswagen den Grenzort Berg in Rheinland-Pfalz verlässt, winken ganze Familien mit "Atomkraft - nein Danke"- Fahnen ihnen freundlich zu. In diesem Jahr wird kein Castor Berg passieren.
Die deutschen und französischen Behörden haben den strahlenden Konvoi umgeleitet. Vom badischen Grenzort Kehl am Rhein rollte er am Nachmittag nach Norden in Richtung Gorleben weiter, wo Tausende - nach Veranstalterangaben mehr als 50.000 Menschen - gegen den Castortransport protestieren.

In Berg trafen sich Menschen aller Altersgruppen und der unterschiedlichsten politischen Lager um mit der Castor-Blockade gegen die schwarz-gelbe Energiepolitik zu protestieren. Der Castor-Transport nach Gorleben mobilisierte Atomkraftgegner quer durch die ganze Bevölkerung. Sie sind zwar grundsätzlich für den Rücktransport des Atommülls in die Herkunftsländer, werfen den Behörden aber vor, die Bevölkerung nicht über die Gefahren dieser Transporte zu informieren Das französische Netzwerk für den Atomausstieg "Sortir du Nucléaire" hat anhand von Angaben des niedersächsischen Umweltministeriums ausgerechnet, dass die Castoren bei dem diesjährigen Transport doppelt so viel Radioaktivität enthalten, wie bei dem Reaktorunfall von Tschernobyl freigesetzt wurde. Protest löst die Ignoranz der Bundesregierung gegenüber dem ungelösten Problem der Entsorgung aus.

Die Atomkraftgegner aus Südwestdeutschland – auch viele Stuttgarter sind zur Unterstützung nach Berg gekommen - haben den Castortransport nach Gorleben bereits kurz hinter der deutsch-französischen Grenze mit friedlichen Mitteln gestoppt. Eine Weiterfahrt durch Rheinland-Pfalz war nicht möglich. Die Gleisblockade in Berg fand unter den Augen zahlreicher Polizisten statt, die an dem Übergang präsent waren, aber nicht eingriffen. Viele der Polizisten machten deutlich, dass sie als Privatpersonen den Protest gegen den von der Bundesregierung beschlossenen Ausstieg aus dem Atomausstieg mit tragen. Die Aufkündigung des Konsens über den Atomausstieg, den rot-grün erreicht hatte und der von einer breiten Bevölkerungsmehrheit mitgetragen wird, zeigt nicht nur das Dilemma der schwarz-gelben Regierung beim Thema Energiepolitik. Dieser Protest ist nicht nur ein Protest gegen die Energiepolitik der Regierung. Er zeigt die Verdrossenheit mit einer Politik, die Vernunft und Mehrheit zugunsten von Lobbypolitik ignoriert. Der Protest zeigt auch, dass Politikverdrossenheit nicht gleich zu setzen ist mit Passivität. Die protestierenden Bürger in Stuttgart, in Berg, in Gorleben setzen sich mündig, aktiv und mit zivilem Ungehorsam für vernünftige Lösungen jenseits von Lobbypolitik ein: Abschalten! Jetzt.

 

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